Die vernetzte Fabrik #2

Die zunehmende Vernetzung in der Produktion zusammen mit der Verbreitung von Servicemodellen (as a Service) führt zu neuen Geschäfts- und Bezahlmodellen. Anstatt wie bisher Maschinen zu erwerben, geht man dazu über, nur noch die Maschinenleistung zu bezahlen (Pay as you use).

Prominentes Beispiel ist der Hersteller von Flugzeugturbinen Rollce Royce[1]. Auf diese Weise bekommt RR den direkten Kundenzugang ebenso wie weitere „Touchpoints“. Damit kann die Interaktion und Kommunikation mit den Kunden intensiviert werden. Ein weiteres Bezahlmodell sieht vor, dass die Kunden ihre Ratenzahlungen für Maschinen an die tatsächliche Auslastung anpassen (Pay as you earn). In dem Zusammenhang spricht man auch von datenbasierten Krediten, wie sie u.a. die Commerzbank anbietet[2].

Neben neuen Geschäfts- und Bezahlmodellen sind auch neuartige Finanzierungsmodelle realisierbar. Die Forscher von ibi Research an der Universität Regensburg und von Fraunhofer IESE nennen diese Form der Finanzierung Finance 4.0[3]. Angedacht ist, dass die Finanzierungswünsche der Unternehmen auf einem Marktplatz eingestellt werden. Die Investoren (Banken, Leasinggesellschaften, Fonds) haben die Möglichkeit, Anteile an Maschinenfonds zu erwerben. Die für die Anlageentscheidung nötigen Maschinendaten werden u.a. von den Digitalen Zwillingen der Maschinen zur Verfügung gestellt. Im Idealfall entsteht ein Ökosystem aus Finanzdienstleistern, Regulatoren, Maschinenbauern und weiteren Dienstleistern wie in der Wartung und Logistik. Für den Brückenschlag zwischen dem Shop Floor und der Cloud kann dabei auf Lösungen, wie die von Cybus, zurückgegriffen werden.

Gemeinsame Datenpools mit hoher Datenqualität

Wertschöpfung in der Datenökonomie entsteht dann, wenn die Daten verschiedener Akteure bzw. Quellen gesammelt und aufbereitet werden. Aus der vergrößerten Datenbasis lassen sich mittels Machine Learning neue Erkenntnisse gewinnen, die sich dann wiederum in neue Produkte und Services umsetzen lassen. Ebenso können die Daten auf Technologiedatenmarktplätzen zum Kauf angeboten werden. Dieser Marktplatz setzt sich aus verschiedenen Microservices zusammen, die in einer gekapselten Umgebung laufen[4].

Von großer Bedeutung für den Erfolg gemeinsam genutzter Datenpools wie überhaupt für das Data Sharing ist die Datenqualität. Liegen die Daten in verschiedenen Formaten vor und sind die Systeme nicht interoperabel, wächst neben dem manuellen Aufwand auch die Fehleranfälligkeit. Die Referenzarchitektur der IDSA enthält die Komponente Data Marketplace. Die Daten werden über zertifizierte IDS-Connectoren angeliefert. Damit ist sichergestellt, dass die Daten von vertrauenswürdigen Quellen stammen und nicht manipuliert wurden. Beispielhaft dafür ist der ADVANEO data marketplace. Qualitativ hochwertige Daten in sicheren Umgebungen mit anderen zu teilen, ist der Schlüssel für den Erfolg in der Datenökonomie[5].

Eine technische Infrastruktur für die Connected Factory

Die Abhängigkeit von US-amerikanischen und mittlerweile auch asiatischen Betriebssystemen im B2C-Geschäft sollte sich im B2B-Geschäft nicht wiederholen. Ohne europäische Betriebssysteme wird sich die Datensouveränität bei den Industrie- und Maschinendaten nur schwer behaupten lassen. Momentan werden an verschiedenen Stellen in Europa entsprechende Betriebssysteme entwickelt, wie im Projekt FabOS. Wesentliche Voraussetzung für die Datensouveränität ist, dass die sensiblen Daten sicher verarbeitet und gespeichert werden. Dieses Ziel verfolgt u.a. die German Edge Cloud. Zusammen mit IoTOS, Rittal und Bosch Connect hat GEC das fabrikinterne Industrial Edge-Rechenzentrum Oncite entwickelt. In der Automobilzuliefererkette sorgt Oncite für  den sicheren Supply-Chain-übergreifenden Datenaustausch mit den Herstellern und Top Tier Suppliern. So bleibt die Kontrolle über die eigenen Produktionsdaten gewährleistet. Ein ähnliche Zielsetzung verfolgt das Smart Connected Supplier Network.

Zusammen mit GAIA-X und der IDSA bzw. dem IDS Connector können Lösungen wie Oncite und das Smart Connected Suppiler Network mit dazu beitragen, dass neue Ökosysteme unter Wahrung der Datensouveränität der beteiligten Unternehmen entstehen.

[1] Rollce-Royce & Jet Propulsion as a Service

[2] Pay-per-Use: EMAG und Commerzbank kooperieren

[3] Digitale Finanzierungsmodelle für die Industrie 4.0 (DFI4.0)

[4] IUNO. Nationales Referenzprojekt IT Sicherheit in der Industrie 4.0

[5] Data sharing in industrial ecosystems (part 1 of 4)

Zuerst erschienen auf Identity Economy

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