Deutsche Cloud Service Provider sehen GAIA-X zunehmend kritisch

Als der Startschuss für GAIA-X fiel, waren die Erwartungen der mittelständisch geprägten Wirtschaft in Deutschland hoch. Mit einem europäischen Rahmenwerk, das den Themen Datensouveränität, Datenportabilität und Datenschutz eine hohe Bedeutung einräumte, sollte die Machtkonzentration auf dem Cloud-Markt aufgeweicht werden. Stattdessen macht sich laut einer aktuellen Umfrage Ernüchterung breit.

Laut Cloud-Computing-Marktbarometer 2021 fehlt mittlerweile der Glaube, “dass die Hyperscaler in die Initiative eingebunden werden könnten ohne diese zu ihrem eigenen Vorteil zu missbrauchen[1]Wie deutsche Cloud Service Provider die aktuelle Lage sehen[2]Darüber hinaus fehlt wohl der Glaube, dass es gelingt, die internationalen Hyperscaler so in die Initiative einzubinden, dass diese ihr Knowhow und ihre Erfahrungen zwar einbringen, die Initiative … Continue reading. Die Tatsache, dass die Hyperscaler inzwischen Mitglieder von GAIA-X sind und sogar Palantir aufgenommen wurde, führt zur nachlassenden Bereitschaft der Cloud-Service-Provider, sich an GAIA-X zu beteiligen. Werner Grohmann, dessen Unternehmen Grohmann Consulting die Umfrage durchgeführt hat, sagt weiterhin: “Aussagen wie ‚Rohrkrepierer‘, ‚Totgeburt‘ oder ‚zu viele Köche, unklares Ziel und weltfremde Ambitionen‘ sprechen eine deutliche Sprache. Im Vergleich zum Vorjahr fällt außerdem auf, dass der Anteil der Umfrageteilnehmenden, die zu den einzelnen Aussagen keine Beurteilung abgeben können bzw. möchten, bzw. dazu keine eigene Meinung haben, zum Teil deutlich gestiegen ist“.

Der deutsche IT- und CIM-Papst, August-Wilhelm Scheer, dessen Unternehmen selber an GAIA-X mitarbeitet, äußert sich in seinem autobiografischen Buch Timing – zum effektiven Umgang mit der Zeit ebenfalls skeptisch: “Das von Wirtschaftsminister Peter Altmaier initiierte Projekt GAIA-X ist sicher gut gemeint. Auch die Definition von Regeln von Datensouveränität und Anwendungen sowie Businessmodelle geht in die richtige Richtung. Aber Regeln allein genügen nicht. Ihr müssen vor allem konkrete Produkte folgen. Die entscheidenden Erfolgsfaktoren werden deshalb der Reichtum an Webservices, Use Cases und die Akzeptanz von Partnern und Anwendern des Systems sein. .. Ein gutes Signal wäre es, wenn sich der Staat verpflichten würde, in breiter Form das System für seine Anwendungen zu nutzen[3]Vgl. dazu: Wann setzt der Staat auf Gaia-X?. .. Eine umfassende Strategie für die Aufholjagd auf deutscher und europäischer Ebene ist auch über GAIA-X hinaus noch immer dringend erforderlich“. 

Ohne schlüssige Gesamtstrategie werden die löblichen Bemühungen Europas darauf hinauslaufen, sichere Infrastrukturen und datenschutzkonforme Regelwerke zu entwickeln, während die darauf laufenden Anwendungen von außereuropäischen Anbietern stammen.

Der eigentliche Vorteil von GAIA-X besteht darin, dass damit die Themen Cloud-Computing und Datenökonomie strategischer als bisher angegangen werden. Die Hoffnung liegt aber weniger auf GAIA-X, sondern darauf, was sich an Initiativen parallel dazu in Europa entwickelt. u.a. deshalb, da man sowohl die Vorzüge aber eben auch die Nachteile von GAIA-X erkannt hat.

References

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1 Wie deutsche Cloud Service Provider die aktuelle Lage sehen
2 Darüber hinaus fehlt wohl der Glaube, dass es gelingt, die internationalen Hyperscaler so in die Initiative einzubinden, dass diese ihr Knowhow und ihre Erfahrungen zwar einbringen, die Initiative aber nicht zu ihrem eigenen Vorteil missbrauchen, in: Cloud Computing Marktbarometer Deutschland 2021: Die Ergebnisse liegen vor
3 Vgl. dazu: Wann setzt der Staat auf Gaia-X?
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