Datengenossenschaften für den Mittelstand

Von Ralf Keuper

Der Datenhunger der großen digitalen Plattformen macht auch vor dem Mittelstand nicht halt. Wie können die mittelständischen Unternehmen angesichts dessen ihre Datensouveränität behaupten?

Eine Möglichkeit besteht in der Gründung von Datengenossenschaften.

Diese könnten eine Alternative sowohl zu den großen Plattformen wie auch zu staatlichen Daten-Treuhändern sein, so das Ferdinand Steinbeis-Institut in seinem Arbeitsbericht Partizipation. Im Spannungsfeld von Plattform-Giganten, staatlicher Datentreuhand und genossenschaftlich-kooperativen Ansätzen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den digitalen Abbildern bzw. Digitalen Zwillingen.

Die Ausgangsfrage für die deutsche Wirtschaft laute:

Wie kann sie von neuen Wertschöpfungspotenzialen durch digitale Abbilder profitieren, ohne dabei in die Abhängigkeit großer, internationaler Plattformen zu geraten?

Wohl seien deutsche Unternehmen gut darin, “eigene Produkte und Prozesse kontinuierlich zu verbessern. Dabei wird vor allem den eigenen Daten, als Grundlage für Optimierungen und KI-Anwendungen, großer Wert beigemessen. Die übergreifende Vernetzung digitaler Abbilder und kontextsensitiven Steuerung kommt dabei vielfach zu kurz”.

Aus seinen Erfahrungen bei der wissenschaftlichen Begleitung zahlreicher kooperativer Ökosysteme, schließt das Steinbeis Institut, “dass durch die Kombination der Fähigkeiten verschiedener Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen und den Austausch von Daten virtueller Abbilder ein zusätzlicher Nutzen für die beteiligten Unternehmen entstehen kann, der bislang noch nicht zugänglich war. Auf Basis der kooperativen Nutzung von virtuellen Abbildern konnten stets mehrere Nutzenszenarien und daraus potentielle Geschäftsmodelle für das Ökosystem generiert werden. Die Grundlage hierfür ist, dass Vertrauensräume geschaffen werden, in denen die Daten für alle Partner zugänglich sind“.

Zum Einsatz kommen dabei sog. Micro Testbeds in ihrer Eigenschaft als „kontrollierte und moderierte Experimentierplattformen im realen Geschäftskontext“, in denen Unternehmen interdisziplinär und branchenübergreifend zusammenarbeiten, um gemeinsam Wertschöpfungsszenarien im realen Umfeld zu generieren[1]WAS IST EIN MICRO-TESTBED UND WIE FUNKTIONIERT ES IN DER PRAXIS?. Die Vernetzung erfolgt auf Basis offener Standards.

Die Rechtsform einer Genossenschaft bietet dadurch, dass Ziele gemeinsam verfolgt werden und durch das Identitätsprinzip den Vorteil, dass die Interessen der Mitglieder in den Vordergrund gestellt werden.

Das Pilotprojekt, an dem neben dem Steinbeis-Institut der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband (BWGV) und die Lehrstühle für Controlling und Wirtschaftsinformatik 1 der Universität Stuttgart mitarbeiten, wird vom Land Baden-Württemberg mit 1,4 Mio. Euro unterstützt[2]PressemitteilungenPilotprojekt gestartet: Mittelstand profitiert von Datengenossenschaften.

Weitere Informationen:

Aufbau einer Datengenossenschaft

Zuerst erschienen auf Identity Economy

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