Mit “Operated by Germany” zu neuen Ufern?

Die deutsche Industrie ist für ihre zuverlässigen Produkte bekannt – und damit in erster Linie für gute Hardware. Was die Software betrifft, sieht es weniger gut aus. Die größten Software- und Internetkonzerne kommen fast allesamt aus anderen Ländern – vor allem aus den USA und China. Im B2C-Segment ist die Übermacht von Google, Amazon, Apple, Alibaba, Samsung & Co. erdrückend. Im B2B-Segment bzw. im Industriellen Internet ist der Einfluss von Google & Co. zwar zu spüren, ohne jedoch bislang das Ausmaß wie im B2C-Sektor erreicht zu haben. Dennoch: Die Bestrebungen der Internetkonzerne machen vor dem Industriellen Internet nicht halt. Es ist die nötige Ergänzung zu ihren bestehenden Geschäftsmodellen.

Insofern ist es, so Accenture in Wie „Operated by Germany“ zu neuen Umsätzen führt, für die deutsche Industrie dringend geboten, den Wechsel von “Made in Germany” zu “Operated by Germany” zu vollziehen. Unter “Operated by Germany” versteht das Beratungshaus und deren Deutschland-Chef Frank Riemensperger, bereits installierte Produkte “Made in Germany” mit Intelligenz nachzurüsten und an eigene digitale Plattformen anzuschließen. Mit den daraus gewonnenen neuen Betriebs- und Maschinendaten könnten die Unternehmen neue Services entwickeln und damit neuen Umsatz generieren. Als Beispiel nennt Riemensperger das VW-Betriebssystem vw.os.

Nun ja. Das Beispiel zeigt indes die Grenzen des neuen Geschäftsmodells der Deutschland AG. Die Nutzer sind bereits so sehr an die Services von Apple & Co. gewöhnt, dass sie kaum auf ein proprietäres System eines Automobilherstellers umsteigen – es wäre ein Rückschritt. Zu glauben, die eigene Position als Hersteller biete einen sicheren Schutz, ist trügerisch. Viele Kunden sind eher bereit, auf ein bestimmtes Auto-Fabrikat zu verzichten als auf ihr Smartphone oder bevorzugtes mobiles Betriebssystem. Apple & Co. sind eben nicht nur digitale Plattformen, sondern digitale Ökosysteme. Digitale Plattformen, und seien sie auch so groß, werden letztlich gegenüber digitalen Ökosystemen den Kürzeren ziehen. Damit VW & Co. eigene Ökosysteme aufbauen können, müssen sie zunächst ihre digitale Souveränität zurückgewinnen. Damit ist es, wie die Kooperation von VW mit Amazon im und von BMW mit Microsoft im Cloud-Geschäft zeigt, nicht allzu weit her. Da hilft dann auch der Aufbau eigener Software-Kompetenz nur wenig.

Wir brauchen offene Systeme und Standards im Bereich Datenaustausch und -verwertung auf europäischer Basis – also länder- und branchenübergreifend. Alles andere ist mindestens eine Nummer zu klein. Also eher “Operated by Europe” .

Zuerst erschienen auf Identity Economy

Weitere Informationen:

Zukunft der Industrie: Was nach intelligenter Produktion kommt. Warum wird „Operated by Germany“ für die Industrie immer wichtiger? Wo muss sich Europa dringend ändern? Experte Frank Riemensperger hat die Antworten.

Beitrag teilen
Dieser Beitrag wurde unter Datenaustausch, Datengetriebene Geschäftsmodelle, Industrie 4.0, Standards abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.