Austausch von Patientendaten und sichere Digitale Patienten-Identitäten mit der Blockchain

In keinem anderen gesellschaftlichen Bereich fallen Daten mit einer vergleichbaren Sensibilität an, wie im Gesundheitssektor. Die Digitalisierung macht indes auch vor der Gesundheitsversorgung nicht halt. Die Notwendigkeit, Patientendaten sektorenübergreifend auszutauschen, wächst. Könnte die Blockchain einen Beitrag dazu leisten, die Datenintegrität ebenso zu gewährleisten wie den Schutz vor unberechtigten Zugriffen?

Dieser Frage widmete sich das Whitepaper Blockchain. Einsatz im deutschen Gesundheitswesen von Deloitte aus dem Jahr 2017. Der Datenaustausch im Gesundheitssektor gestaltet sich aufgrund mangelnder Interoperabilität der IT-Systeme ausgesprochen schwierig. Ohne entsprechende technische Infrastruktur als Basis für einen sicheren Datenaustausch, so die Autoren, führen die Einführung von Standards wie auch die Durchführung organisatorischer Maßnahmen relativ wenig. Zwar ist die Blockchain kein Allheilmittel für die Datenstandardisierung und Systemintegration, jedoch werden von ihr einige wesentliche Schwachstellen der derzeitigen Infrastrukturen adressiert.

Der Einsatz der Blockchain-Technologie empfiehlt sich, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind:

  1. Mehrere Parteien generieren Daten bzw. Transaktionen, die in geteilter Verantwortung verändert werden sollen.
  2. Parteien müssen darauf vertrauen können, dass die Transaktionen korrekt sind.
  3. Die Akteure im Netzwerk vertrauen sich nicht untereinander oder agieren nicht effizient zusammen.
  4. Es bedarf einer erhöhten Sicherheit, um die Integrität des gesamten Systems und der Daten zu gewährleisten.

Der Austausch von Patientendaten über Sektorengrenzen hinweg erfüllt nach Ansicht der Autoren die genannten Voraussetzungen.

Ein Anwendungsfall wäre die gemeinsame Nutzung der Blockchain-Technologie durch mehrere Organisationen, um digitale Identitäten, genetische Daten oder Medikationshistorien von Patienten sicher zu speichern und im Bedarfsall zu verifizieren. Die Autoren und die Autorin erwähnten in dem Zusammenhang das PoC Prescrypt[1]Dutch REshape Center Develops Blockchain Health Proof of Concept with SNS Bank and Deloitte. Dabei hatten die Patienten das Eigentumsrecht an ihrer Akte. Sie alleine konnten bestimmen, wer auf die Daten für welchen Zweck zugreifen darf. Aus dem PoC ist anscheinend keine produktive Lösung entstanden[2]Etwas aktuelleren Datums ist A Blockhain-based Service Provider Validation und Verification Framework for Health-care Virtual Organization. Die Homepage steht zum Verkauf. Als ID-Service nutzte der Prototyp iDIN, das von mehreren niederländischen Banken betrieben wird.  iDin war mit der Blockchain verbunden.

Zum (idealtypischen) Ablauf:

Quelle: Deloitte

Die Autoren und die Autorin machten deutlich, wie wichtig die Aufgabenverteilung zwischen den On-Chain-Daten und Off-Chain-Daten ist. Als Datenbank und Austauschmedium eignet sich die Blockchain nur bedingt. Ihre Aufgabe besteht in den meisten Fällen darin, Referenzen/Links auf Datensätze zu speichern, die in off-chain-Datenbanken abgelegt sind, wie Dokumente und MRT-Aufnahmen.

Fazit

Als Modell ist der Ansatz von Deloitte aus dem Jahr 2017 auch heute noch in weiten Teilen brauchbar. 2018/2019 führte das Bundesgesundheitsministerium den Ideenwettbewerb Zukunftswerkstatt: Blockchain im Gesundheitswesen durch.

Eine Erkenntnis daraus:

Das Bundesgesundheitsministerium wird sich jetzt nach der Zukunftswerkstatt weiter intensiv mit der Blockchain-Technologie beschäftigen. Die eingereichten Anwendungen und Skizzen helfen bei der weiteren Sondierung und Prüfung, ob weitere Forschungsförderungen auf den Weg gebracht werden sollten. Außerdem wird sich auch Blockchain-Strategie der Bundesregierung dem Thema Gesundheit widmen wird. Die Erkenntnisse aus dem Ideenwettbewerb werden darin einfließen.

Der Suchprozess ist derweil noch im Gang. Davon, ein Standard für die Datenintegrität und sichere digitale Identitäten im Gesundheitssektor zu sein, ist die Blockchain weit entfernt[3]Mehr Datenschutz, Sicherheit und einfachere Bürokratie erreichen. Blockchain im Gesundheitswesen. Die jüngsten Entwicklungen deuten jedenfalls nicht darauf hin, dass sich daran so bald etwas ändern wird[4]Digitale Identitäten im Gesundheitswesen.

Zuerst erschienen auf Identity Economy

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