Google und T-Systems planen “Souveräne Cloud” für Deutschland

Von Ralf Keuper

Das ist ein herber Rückschlag für GAIA-X und die IDSA: Wie u.a. in „Souveräne Cloud“ für Deutschland: Google und T-Systems schließen sich zusammen zu erfahren ist, wollen die beiden Unternehmen den Kunden in Deutschland eine sichere Cloud-Umgebung bieten. Damit sollen die Bedenken der deutschen Unternehmen dem unbefugten Zugriff auf die Daten durch Dritte gegenüber ausgeräumt werden.

Die Lösung, die ab Mitte 2022 zur Verfügung stehen soll, enthält eine spezielle Version der Google Cloud. Darin werden die Daten Ende-zu-Ende verschlüsselt. In den Verantwortungsbereich von T-Systems fallen u.a. die Verschlüsselung und das Identitätsmanagement. So werde T-Systems die Schlüssel für die Kunden verwalten, um Sicherheit und Kontrolle über Datenzugriffe zu gewährleisten.

Die Abkehr von T-Systems von GAIA-X sei auch eine Folge des weit um sich greifenden Bull Shit Bingos innerhalb des Konsortiums.  Jörg Gottschlich, Chef des Startups Meshcloud, ist von der Arbeitsgeschwindigkeit nicht angetan: “Wie ein ganzer Niagara-Fall wird alles ausspezifiziert auf vielen hundert Seiten und dann zur Implementierung freigegeben, als ob in den letzten 20 Jahren die Software-Entwicklung nicht vorangekommen wäre. Gremiensitzungen, Abstimmungen, Konzepte, Spezifikationen. Ungezählte Personenstunden, ganze Menschenleben werden in Telefonkonferenzen verbracht.”[1]Hat die groß angekündigte Cloud-Initiative eine Zukunft?

In Sisiphusaufgabe, neuer Versuch meldet Michael Kroker indes Bedenken an. Das Vorhaben ähnele auf frappierende Weise dem Versuch von T-Systems und der Telekom, zusammen mit Microsoft eine Deutschland-Cloud an den Markt zu bringen. Daraus wurde nichts, u.a. deshalb, da die Kunden nur Zugriff auf einen eingeschränkten Funktionsumfang hatten, wobei die Kosten höher ausfielen als bei der offiziellen MS-Cloud Azure.

Parallel dazu bietet Microsoft bereits branchenspezifische Cloud-Lösungen an[2]New industry clouds offer launchpad for innovation.

Aus einer Unternehmensmeldung:

Wir haben die Microsoft-Branchen-Clouds geschaffen, indem wir gemeinsame Datenmodelle, Cloud-übergreifende Konnektoren, Workflows, APIs und branchenspezifische Komponenten und Standards zusammengeführt haben.

Wozu bedarf es dann noch der IDSA mit ihrem IDS Connector bzw. DataSpace Connector? Diese Frage werden sich die Unternehmen mit Blick auf andere Alternativen, wie Delta von Databricks, Snowflake und speziell auf die Bedürfnisse des Mittelstands zugeschnittene Lösungen ohnehin verstärkt stellen. Die wenigsten Unternehmen sind bereit, eine komplette Infrastruktur basierend auf ausgesprochen komplexen Referenzarchitekturen bei sich und ihren Kunden zu implementieren, wenn vergleichbare Lösungen als Plug and Play am Markt verfügbar sind – noch dazu, wenn sie für die Zertifizierung des Connectors bezahlen müssen.

Ganz gleich, ob die Kooperation zwischen Google und T-Systems zu dem gewünschten Ergebnis führen wird, bleibt festzuhalten, dass die Themen Identitätsmanagement und Verschlüsselung zu den Kompetenzen zählen, welche die Anbieter souveräner Clouds und dazugehöriger Lösungen für den Datenaustausch beherrschen müssen.

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1 Antwort zu Google und T-Systems planen “Souveräne Cloud” für Deutschland

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