Anfänge der Produktionsplanung: Der weltweit erste “Zeitstudiencomputer”

Von Ralf Keuper

In seinem Buch Automation aus dem Jahr 1952 berichtet John Diebold über eine zu dem damaligen Zeitpunkt echte Innovation. Und zwar hatte der Hersteller von Magnetbandsystemen und Druckern, Potter Instruments[1]Potter Instrument Company Condensed Catalog M2:[2]In der New York Times erschien am 29.09.1971 eine kurze Meldung, in der von der Beilegung eines Patentstreits zwischen Potter und IBM berichtet wurde. Demnach erklärte sich IBM bereit, einmalig eine … Continue reading, einen Zeitstudiencomputer entwickelt, mit dessen Hilfe sich die Produktionsplanung deutlich vereinfachen ließ:

Der weltweit erste Zeitstudiencomputer simuliert Maschinen- und Bedieneraktionen durch elektronische Röhren und kann einen ganzen Tag Arbeit in Sekundenschnelle erledigen. Er wird eingesetzt, um häufig wechselnde Kombinationen automatischer Maschinenzyklen zu untersuchen, und berechnet die Produktion an jeder Maschine einer Gruppe sowie die Wartezeit, in der der Bediener keine Maschine belädt. Damit er nicht für einen ineffizienten Zyklus bestraft wird, erhält der Bediener bei einigen modernen Anreizsystemen eine Vergütung für diese Zeit.

In einer Fabrik mit einer Reihe von automatischen Maschinen, die ihre Lade- und Betriebszeitzyklen häufig ändern, wenn einzelne Lose fertiggestellt werden, erforderte die Berechnung dieser Zulage einen großen Stab von Statistikern. Längere Arbeitsperioden können nun in wenigen Sekunden untersucht werden. Der Computer wird von einem Mädchen bedient, das die Ziffernblätter anhand von Arbeitszetteln einstellt. Es ist nicht mehr Geschicklichkeit erforderlich als bei einer Rechenmaschine.

Bis zu zehn verschiedene Maschinen werden gleichzeitig betrieben. Jede einzelne, mit den üblichen Zeitstudienmethoden ermittelte Lade- und Laufzeit wird in Dezimalminuten in den Rechner eingegeben. Ein Knopfdruck, und der Rechner simuliert Bediener und Maschinen für eine beliebige voreingestellte Zeitspanne, mit einer Geschwindigkeit von 1.000 Elementen pro Sekunde. Werden die Zeiten in Tausendstelminuten angegeben, so simuliert der Computer eine Arbeitsstunde in weniger als sechzig Sekunden. Werden die Zeiten in Dezimalhundertsteln eingegeben, so wird die zehnfache Geschwindigkeit erreicht, ohne daß die Genauigkeit beeinträchtigt wird, da die elektronische Berechnung durch das digitale System auf jede beliebige Anzahl von Dezimalstellen absolut genau ist. Es besteht die Möglichkeit, die Beladungsreihenfolge der Bediener zu wählen, und gegebenenfalls wird automatisch eine höhere als die normale Arbeitsrate berücksichtigt.

Jede Maschine, wie z.B. Fräs-, Bohr-, Gewindeschneid-, Schleif- oder Bearbeitungsmaschinen, die einen automatischen Zyklus haben und regelmäßig zum Beladen, Einstellen oder Prüfen bedient werden müssen, eignen sich für die Analyse durch den Zeitstudiencomputer. Da ein Bediener immer nur eine Maschine gleichzeitig bedienen kann, können teure Maschinen stillstehen und die Produktion leidet aufgrund ineffizienter Zyklen, bei denen mehr als eine Maschine gleichzeitig bedient werden muss.

References

References
1 Potter Instrument Company Condensed Catalog M2:
2 In der New York Times erschien am 29.09.1971 eine kurze Meldung, in der von der Beilegung eines Patentstreits zwischen Potter und IBM berichtet wurde. Demnach erklärte sich IBM bereit, einmalig eine Mio. Dollar an Potter zu zahlen. Weiterhin willigte IBM ein, über einen Zeitraum von fünf Jahren 550.000 pro Jahr an Potter zu zahlen. Das Unternehmen bestand bis 2011
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