Fehlende Standards bremsen den sicheren Datenaustausch im Straßengüterverkehr

Fehlende Datenstandards sind einer der Gründe dafür, dass der Datenaustausch zwischen den Beteiligten im Straßengüterverkehr schnell an seine Grenzen gelangt. Die Folge sind Medienbrüche, manuelle Tätigkeiten und aufwändige Datenbereinigungen. 

Momentan existieren am Markt ca. 500 Telematiklösungen, die nicht ohne weiteres angebunden werden können. Es müssen zuerst entsprechende Schnittstellen programmiert werden[1]Lkw-Carrier müssen digital angebunden werden. Das kann dazu führen, dass die LKW-Fahrer mit mehreren Apps hantieren müssen – ein unzumutbarer Zustand und obendrein höchst ineffizient. Allerdings ist die Bereitschaft der Logistikdienstleister, Daten untereinander auszutauschen, in Europa noch gering.

Unabhängig davon geht die Mehrzahl der Unternehmen davon aus, dass der Bedarf mit anderen Unternehmen Daten auszutauschen in den nächsten Jahren deutlich steigen wird[2]Datenaustausch als wesentlicher Bestandteil der Digitalisierung. Die Vorteile eines durchgängigen Datenaustauschs sind neben Effizienzgewinnen die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle oder die Verkürzung der Reaktionszeiten.

In dem Paper Transportlogistik 4.0 stellten die Autoren fest:

Herausforderungen bei der Planung und Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen sind in Unternehmen in vielfältiger Art vorhanden. Die größte Herausforderung für alle Befragten ist die wahrgenommene fehlende Standardisierung der Technologien. Diese erstreckt sich von der Datenaufnahme (mittels RFID, NFC, Telematik, etc.) über die Verarbeitung (über EDI, Cloud-Lösungen, etc.) bis hin zur Datenspeicherung und -auswertung (z.B. unterschiedliche Möglichkeiten von Big Data-Analytics). Zwar existieren in manchen Bereichen schon gute Datenbestände und Vernetzungsaktivitäten im Sinne der Digitalisierung, verwandte Studien zu diesem Thema belegen aber auch, dass allein die Schnittstellenproblematik zwischen den verschiedenen IT-Systemen des Logistikdienstleisters und der Telematik auf der anderen Seite zu Problemen führt. Dies wäre durch einheitliche Datenstandards und Austauschprozeduren sowie Regeln zu Datenschutz und Datenverfügbarkeit zu lösen. Ein fehlender Standard führt zu Unsicherheiten dahingehend, in welche Lösung investiert werden soll.

Erleichterung im grenzüberschreitenden Frachtverkehr könnte die Einführung des digitalen Frachtbriefs (eCMR) verschaffen[3]Digitaler Frachtbrief – wann sticht der eCMR in See?. Im vergangenen Jahr verabschiedete das Europäische Parlament die EU-Verordnung zur elektronischen Frachtinformation (eFTI)[4]Digitalisierungstreiber nutzen, e-Frachtbrief auch in Deutschland endlich umsetzen. Vor wenigen Monaten legte das Bundesjustizministerium einen Referentenentwurf zum elektronischen Frachtbrief vor[5]Gesetz zu dem Zusatzprotokoll vom 20. Februar 2008 zum Übereinkommen vom 19. Mai 1956 über den Beförderungsvertrag im internationalen Straßengüterverkehr (CMR) betreffend den elektronischen … Continue reading.

Im Luftfrachtverkehr sorgt der von der IATA eingeführte Datenstandard ONE Record für den reibungslosen Datenaustausch.

Zurück zum Straßengüterverkehr: Seit einiger Zeit sind in der Telematik Integrationsportale und offene Systeme auf dem Vormarsch[6]„Telematik 2015“ Integrationsportale. Beispielhaft dafür ist TrailerConnect von Schmitz Cargobull[7]TrailerConnect® Portal – Telematik-Konsolidierung für Trailer – Schmitz Cargobull. Einen Schritt weiter geht MAN mit seiner Datenplattform RIO. Bei cargoboard geht man davon aus, dass sich digitale Plattformen in der Logistikbranche durchsetzen werden. Diese würden dann als Quasi-Standards beim Datenaustausch fungieren.

Auf einen “echten” Standard für den Datenaustausch, der eine ähnliche Verbreitung wie heute schon EDI erreicht, muss die Branche noch warten[8]Der Stellenwert von EDI für die Logistik.

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