Von Ralf Keuper

Die Zerfallserscheinungen und Dysfunktionalitäten bei GAIA-X sind nicht mehr zu übersehen. Erst vor wenigen Wochen wurde interne Kritik an dem Führungschaos bei GAIA-X bekannt[1]Gaia-X: Zu viele Köche verderben den Brei. Gestern nun teilte der französische Cloud-Betreiber Scaleway seinen Rückzug aus dem GAIA-X – Konsortium mit[2]Gaia-X: Cloudprovider Scaleway zieht die Reißleine und tritt aus. Vor wenigen Tagen äußerte sich der Sprecher der Städte und Regionen bei GAIA-X besorgt über den aktuellen Zustand[3]Smart-City-Sprecher bei Gaia-X: „Mache mir Sorgen“.

Scaleway will seine Zeit, Geld und Aufmerksamkeit auf sein Multi-Cloud-Produktangebot konzentrieren. Der Vision gemeinsamer Datenräume, wie sich von der Großindustrie propagiert werden, kann wohl nicht nur Scaleway wenig abgewinnen. Für kleine und mittelständische Unternehmen ist das kein Thema. Hier sind die Herausforderungen ganz anderer, grundsätzlicher Art. Im Vordergrund steht hier der rechts- und manipulationssichere unternehmensübergreifende Datenaustausch.

GAIA-X – von Anfang an eine Kopfgeburt 

GAIA-X war von Beginn an eine Kopfgeburt. Die Annahme, ein eigenes Ökosystem, das sich gegen die Hyperscaler aus den USA behaupten kann, am Reißbrett zu entwerfen und mit Referenzarchitekturen, die mehrere hundert Seiten füllen, zu verbreiten, ist ein Vorgehen (Top-down), das letztlich nur scheitern kann. Wären Amazon, Microsoft und Google so verfahren, wären sie ebenso gescheitert. Bei ihnen jedoch war das Cloud-Geschäft zunächst nur ein Nebengeschäft, das sich auf einmal als aus…

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